03 Arch.

Arndt Jagenlauf
7. 12. 1974 — 7. 1. 2023

Zu früh

Zu früh

Wir trauern um unseren Freund und Kollegen, Architekt und Geschäftsführer Arndt Jagenlauf, der in den frühen Morgenstunden am Samstag, dem 7. Januar 2023, in seiner Heimat viel zu jung gestorben ist.

Arndt hat sich immer schon als Architekt verstanden. Seine Leidenschaft, seine klare Haltung und seine Gedanken zu Architektur und Stadt haben uns, unsere Diskussionen und unser Büro geprägt. Nun, nach mehr als 20 Jahren, in denen wir viele Erfolge gefeiert und einige Niederlagen durchgestanden haben, verlieren wir einen unserer wichtigsten und loyalsten Weggefährten.

Arndt Jagenlauf war bereits seit 1998 im Umfeld des Büros Werkstudent. Erst 2001 beim Wettbewerb rund um den Ostbahnhof haben wir uns kennengelernt. Gemeinsam mit seinem Freund und Studienkollegen Marc Hofmann haben wir an dem Masterplan für das Areal rund um den Kunstpark Ost gearbeitet. Unerschrocken von dem Maßstab und von unseren Diskussionen, haben sie gemeinsam den Entwurf vorangetrieben. Ihr erster Wettbewerb war gleich ein erster Preis und ein wichtiger Meilenstein für unser Büro.

Von Anfang an hat uns Arndts Suche nach der Logik hinter der Ordnung fasziniert. Eine Vorstellung von Schönheit, die nicht zu trennen ist von der Idee der Angemessenheit. Ihm ging es immer darum, einen Weg der Vernunft zu finden, um Raumprogramm und Raumstruktur, Konstruktion und Fügung in Einklang zu bringen. Die Suche nach der idealen Proportion und dem richtigen Maß war für Ihn nicht nur eine Frage der Schönheit. Es war eine Haltung, die mit einer für uns immer bewundernswerten Selbstverständlichkeit den moralischen Anspruch mit dem ästhetischen verknüpfte. Die Form als Ausdruck der Vernunft. Die Architektur als gebauter Gedanke.

Diese Radikalität und Klarheit wurden Arndt bereits im Grundstudium an der TU München unter Ueli Zbinden vermittelt. Zbinden lehrte, sich systematisch mit Architektur auseinanderzusetzen. Methodisch das eigene Denken parallel zum notwendigen Handwerkzeug zu entwickeln. Dies war wohl auch eine Art von Geistesverwandtschaft. Arndt hat diese Lehre bis zuletzt verinnerlicht und seine Liebe zur Klarheit zeigte sich auch immer wieder in seinen Referenzen von Mies van der Rohe oder Donald Judd.

Aber es gab auch eine zweite, etwas versteckte Seite. Aus seiner Zeit an der ETH Zürich bei Miroslav Šik hat er einen Blick für die Architektur des Alltags mitgebracht. Ein Interesse für die Architektur der Stadt, mit all ihren Merkwürdigkeiten und Widersprüchen. Mit seinem ihm eigenen Lächeln sammelte er die Eigenarten des Ortes, seiner Geschichte und der Aufgabe, setzte sich damit auseinander, um aus dem Bestehenden etwas Einzigartiges zu schaffen. Für Ihn war die zunehmende Komplexität kein Widerspruch zur klaren, einfachen Struktur. Es war eher eine Herausforderung sie anzunehmen, um mit Sorgfalt das Eigene des Gebäudes herauszuarbeiten.

Arndt hat die Haltung der Analogen Architektur von Šik in unsere Diskussionen von damals importiert und uns gezwungen, nicht nur die Struktur der Gebäude, sondern auch ihre Bedeutung als Architektur der Stadt, das Bild der Fassade als Bedeutungsträger sowie als Ausdruck der Architektur im öffentlichen Raum mitzudenken.

Diese Liebe zur Präzision und dieses Ineinandergreifen ist den von ihm betreuten Projekten Taxisstraße, dem Haus an der Leopoldstraße und dem Haus am Parzivalplatz vom Tragwerk bis zum Detail der Fassade eigen. Und wenn man sich die Zeit nimmt, ein zweites Mal diese Projekte anzuschauen, entdeckt man die versteckten Webfehler und die besonderen Lösungen an den Innen- und Außenecken. Sobald man die komplex ineinander verschachtelten Wohnungen betritt, kann man ermessen, mit welcher Sorgfalt hier Innen mit Außen, Stadt mit Architektur zusammen gedacht wurden. Für uns alle war Arndt ein wichtiger Kollege, der am Erfolg unseres Büros wesentlichen Anteil hat. Gleichzeitig war er auch ein unerlässlicher Gesprächspartner und Freund. Wir sind gemeinsam auf Exkursionen gefahren, haben zusammen Fußball gespielt und dabei zweimal den Coppa Oliva gewonnen. Wir haben gefeiert und sind gemeinsam an den Aufgaben gewachsen.

Arndt war immer da. Wie im Fußball stand er hinter uns, stets konzentriert die Situation überblickend. Ruhig und souverän ließ er alles auf sich zukommen und sicherte uns ab. Als Geschäftsführer gab uns seine Zuverlässigkeit bis zuletzt die notwendige Sicherheit, neue Vorstöße zu wagen und immer wieder Risiken einzugehen. Im Gespräch und in Verhandlungen fand er stets den richtigen Ton sowie das überzeugende Argument. Arndts integere Persönlichkeit, sich selbst nie in den Vordergrund zu stellen, niemals nachzugeben, immer für die Sache zu kämpfen und den Problemen auf den Grund zu gehen, wird uns ein Vorbild bleiben.

Wir werden ihn als Menschen und als Architekten sehr vermissen. Seine ausgestrahlte Ruhe und Souveränität wird uns im Büroalltag fehlen. Seinen besonderen Charakter, mit dem ihm eigenen leisen Humor werden wir zusammen mit seinem feinen Lächeln in unserem Gedächtnis behalten. Wir sind dankbar für die Zeit mit ihm und die gemeinsamen Erlebnisse. Zurück bleiben für uns die von seiner Architektur geprägten Bauten als Ausdruck seines Denkens.